Eine Reise auch in die Vergangenheit

von Katharina Höllich

Kurz vor meinem 50. Geburtstag und 32 Jahre nach der Ausreise, bin ich im Oktober nach Rumänien gefahren. Neben Arad wollte ich auch noch andere Städte sehen. Einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass ich zwischen dem 14. und 17. Oktober in Temeswar war. Just an diesem Wochenende feierte man den 300.Jahrestag seit der Befreiung der Stadt durch Prinz Eugen von Savoyen. Denn für mehr als 150 Jahre waren Stadt und Umland unter osmanischer Herrschaft; für Christen eine schwierige Zeit. Die Ausübung des Glaubens war sehr eingeschränkt, Priester wurden kaum zugelassen, in Maria Radna wurden lediglich einige Mitglieder des Franziskaner-Ordens geduldet, die Zahl der Gläubigen war verschwindend klein geworden. All dies hatte ich in einer begleitenden Ausstellung erfahren, die dann auch auf die große Aufbruchstimmung im Banat nach der Befreiung und mit der Kolonisation einging.

Tief beeindruckt hatte mich der feierliche Dankgottesdienst mit vielen Priestern, Bischöfen, Gläubigen und Prominenz – auch aus dem Hause Habsburg -, dem erzbischöflichen Nuntius sowie (Lokal)Politikern. Werke von Mozart und Beethoven wurden von den Solisten, dem Chor und dem Orchster in vollendeter Schönheit vorgetragen und haben viel zur Feststimmung beigetragen. Aber auch die in drei Sprachen gehaltene Predigt von Bischof Martin Roos hat mich sehr bewegt. Natürlich hat er Bezüge zum Gedenktag hergestellt, hat darauf verwiesen, dass Eugen von Savoyen eigentlich für den Priesterdienst bestimmt war, er hatte sich aber mit 19 Jahren für den Militärdienst entschieden, wurde von Frankreich abgelehnt und hat sich dann erfolgreich den  Habsburgern zugewandt. Genau an seinem 56. Geburtstag konnte er nach erfolgreicher Belagerung der Festung feierlich in die Temeschburg einziehen.

Ausgehend von der Lesung über den Kampf der Israeliten gegen die Amoniter, bei dem Moses seine Arme über das Volk ausgestreckt hielt, ging der Bischof auch darauf ein, dass die Menschen am Heilsplan Gottes mitarbeiten sollen/dürfen, dass es auf Gemeinschaft und Unterstützung aller ankommt; nicht allein Moses hat den Sieg errungen, sondern auch die, die in gestützt haben. Im Ohr klingt mir jedoch noch die Frage Jesus aus dem Evangelium nach: Wird der Menschensohn noch Glauben finden, wenn er am Ende der Zeiten wieder kommen wird?